Programm der Timmendorfer Büchertage

Hier finden Sie eine Programmübersicht der Büchertage 2026 und weiter unten Informationen zum Veranstaltungsort und den Kosten.

Timmendorfer Büchertage vom 8.4.2026 bis 12.4.2026

Mittwoch, 8.4.2026

  • 19:30 Uhr Volker Weidermann: “Mann vom Meer: Thomas Mann und die Liebe seines Lebens” (Kiepenheuer & Witsch 2023) – Moderation: Thomas Abel
  • Volker Weidermann ist ein deutscher Literaturkritiker, Fernsehmoderator und Verfasser von Büchern mit biografisch-historischem Hintergrund. Er schreibt unterhaltsam und berührend über den Nobelpreisträger, für den das Meer ein Ort der Verheißung und der Sehnsucht war. “Mann vom Meer” ist aufwendig recherchiert, leicht und einfühlsam im Ton. Das Meer ist für Thomas Mann zeitlebens ein Ort der Verheißung und der Sehnsucht. Hier hat er es gewagt, sich in junge Männer zu verlieben und manchmal sogar seine antrainierte Versteinerung zu verlassen. Entspannt, fast lässig wirkt er auf Strandfotos. Er ließ sich immer wieder von allen Meeren, an denen er lebte oder die er besuchte, für seine Literatur inspirieren. Sein Herz aber gehörte wahrscheinlich doch der Ostsee, seiner Heimatstadt Lübeck und Travemünde, wo er als Kind die Ferien verbrachte und glücklich war. Für Volker Weidermann beginnt die Geschichte jedoch nicht an der Ostsee, sondern viele Jahre früher und tausende Kilometer entfernt, als die Mutter Julia noch in Brasilien lebte, wo sie geboren wurde und erste glückliche Jahre am Atlantik verbrachte. Der “Mann vom Meer” ist aufwendig recherchiert, leicht und einfühlsam im Ton und gar nicht nur für Thomas-Mann-Fans geeignet. Ganz besonders schön ist es, über diese Liebe zum Meer am Timmendorfer Strand etwas zu hören, direkt an der Ostsee, die hinter dem Autoren durch das Fenster zu sehen sein wird,nur wenige Kilometer entfernt von Lübeck und Travemünde.

Donnerstag, 9.4.2026

  • 9:30 Uhr Begrüßung und Vorstellungsrunde
  • 9:45 Autorengespräch von Thomas abel mit Volker Weidermann
  • 16:00 Uhr Klaus E. Spieldenner: “Das ist mein Ernst” (Niemeyer Buchverlage 2025) – Moderation: Silvia Goerdes
  • Es ist der 2. Teil der ERNST-Trilogie, ein Wohnmobil-Road-Krimi. Der Hamburger Ernst Groß ist wieder in seinem Wohnmobil auf dem Weg in Richtung Fehmarn. Diesmal, um seiner Schwester Klara das Erbe des Vaters zu überbringen. Gemeinsam mit Hund Schnurres kämp er entlang der Ostseeküste zwischen Travemünde und Großenbrode gegen äußere Widrigkeiten und innere Dämonen und steckt seine Nase dabei in jede Menge Verbrechen. Klaus E. Spieldenner, Jahrgang 1954, gelang 2017 mit ELBTOD, dem 1. Kriminalroman über die Hamburger Elbphilharmonie, sein bisher auflagenstärkstes Buch. Seither steht er für spannende Storyboards, umfangreiche Recherchen und außergewöhnliche Schauplätze Made in Hamburg. nach 11 Krimis erscheint nun seine dreiteilige Road-Novel. Bei uns wird er aus Teil 1 “Das kann doch nicht ihr Ernst sein” und dem oben erwähnten Teil 2 vorlesen, dazu gibt es ein paar Songs. Teil 3 erscheint übrigens im Herbst 2026.
  • 19:30 Jan Koneffke: “Im Schatten zweier Sommer” (Galiani 2024) – Moderation: Mario Radermacher
  • Von der Leichtigkeit eines Wiener Sommers 1914 – und dem drohenden Gewitter des Krieges im Paris der späten Dreißiger. Es wird Frühjahr in Wien, und bei der jüdischen Familie des Schuhmachers Fischler wird ein Zimmer zur Untermiete frei. Der neue Mieter ist ein schüchterner, etwas verquerer Student aus Galizien. Sein Name: Joseph Roth. Bald lernen Fanny, die ältere Tochter der Familie, und er sich kennen, und für die beiden beginnt ein heimlicher verliebter Sommer. Der allerdings endet in einer Trennung – und in geschichtlicher Dimension in einer Menschheitskatastrophe: Der Erste Weltkrieg bricht aus. Lange Jahre werden die beiden sich nicht wiedersehen – bis es Fanny nach abenteuerlicher Flucht aus Wien 1938 nach Paris verschlägt, wo sie zufällig im Deutschen Hilfskommitee ihren ersten Sommerschwarm wiedertrifft. Roth ist inzwischen berühmter Schriftsteller geworden, befindet sich ebenfalls im Exil in Paris und gerade hat Irmgard Keun, seine letzte Geliebte, die Flucht vor ihm ergriffen. Fanny wird den cholerischen, mit sich und der Welt zerstrittenen charismatischen Autor, der in seinem Kreis Hof hält wie ein Fürst und doch gerade keinen Pfennig mehr hat, bis kurz vor seinem Tod begleiten.

Freitag, 10.4.2026

  • 9:30 Uhr Autorengespräch von Mario Radermacher mit Jan Koneffke
  • 16:00 Uhr Güner Yasemin Balci: “Heimatland” (Piper 2025) – Moderation: Heike Thiel
  • Als türkische Gastarbeiter kamen Güner Balcis Eltern nach Berlin, ins Neuköllner Rollbergviertel, eine Großsiedlung mit achteckigen Betonklötzen.  Für sie war der Einzug in eine Wohnung mit eigenem Bad ein Meilenstein des Ankommens in der Fremde. Anfang der 1980er-Jahre verwandelte sich der Kiez, in dem ihre Tochter noch eine unbeschwerte Kindheit erlebte, in einen sozialen Brennpunkt. Die Söhne arabischer Großfamilien beherrschten das Geschehen. Ein reaktionärer Islam machte sich breit, der Mädchen und Frauen die Selbstbestimmung verweigerte. Güner Balci erzählt von Selbstbehauptung und Scheitern, von Freundschaft und Verlust in einem Viertel, das zu ihrer Lebensschule wurde. Eine leidenschaftliche Liebeserklärung an ihr Heimatland. Güner Yasemin Balci ist Journalistin, Schriftstellerin, Filmemacherin und seit 2020 Integrationsbeauftragte für den Berliner Bezirk Neukölln. Sie hat die Herausforderungen einer Einwanderungsgesellschaft zu ihrem Lebensthema gemacht. In ihren Büchern „Arabboy – Eine Jugend in Deutschland oder das kurze Leben des Rashid A.“, „ArabQueen oder der Geschmack der Freiheit“, „Aliyahs Flucht“ und „Das Mädchen und der Gotteskrieger“ widmet sie sich vor allem den Zwängen und Geboten, mit denen Jungen und Mädchen aus muslimischen Einwandererfamilien aufwachsen.
  • 19:30 Uhr Katharina Hacker: “Die Gäste” (Fischer 2022) – Moderation: Lydia Sasnovkis
  • Der Rechtsanwalt Doktor Kowalk, der doch noch lebt, eröffnet Friederike das nachgetragene Erbe ihrer Großmutter: Ein Ladenlokal in Berlin unweit der Potsdamer Straße, in dem sich ein Café befindet. So kündigt Friederike mit fünfzig ihre Stelle am Institut für schwindende Idiome und übernimmt das Café. Von ihrem Vorgänger bleiben ihr die große Kasia, der Kioskbesitzer Herr Lehmann und Herr Palun, der Verkäufer, der fliegen kann. Unverdrossen übersteht sie die Kontrollen der Gesundheitsämter, die Anschläge von Heckenschützen, den schwarzen Regen, die Ausläufer der Pandemie. Auch wenn im Keller unter dem Tresen Ratten Szenen der jüngsten Geschichte oder des jüngsten Gerichts nachspielen, hält sie am Glück, anderen zu Diensten zu sein, fest. Es erscheint der wundersame Robert, und eines Tages wird zwischen den Gästen auch ihr verlorener Sohn Florian sein. Katharina Hacker, geboren 1967 in Frankfurt am Main, lebt nach mehrjährigem Aufenthalt in Israel als freie Autorin mit ihrer Familie in Berlin und Brandenburg. 2006 erhielt sie den Deutschen Buchpreis für »Die Habenichtse«.

Samstag, 11.4.2026

  • 9:30 Uhr Autorinnengespräch von Lydia Sasnovskis mit Katharina Hacker
  • 16:00 Uhr Maryam Aras: “Dinosaurierkind” (Claassen / Ullstein 2025) – Moderation: Kerstin Gaedicke
  • Während eines Filmabends entdeckt Maryam Aras ihren Vater auf der Kinoleinwand. Bei einer Protestveranstaltung gegen den Shahbesuch 1967 in Berlin sitzt er zwischen anderen Studierenden auf dem Boden. Für sie ist es der Beginn einer Spurensuche – nach ihrer Kindheit in der iranischen Diaspora in Köln, der Gewissheit, dass ihr Vater nicht nach Iran reisen kann, der Geschichte seiner und ihrer Politisierung.In diesem literarischen Essay schreibt Maryam Aras die politische Biographie ihres Vaters, zieht Erzähllinien zwischen dem Staatsstreich 1953 in Iran, einer transnationalen 1968er-Bewegung, dem Kölner Arbeiterviertel Mülheim und einer Familiengeschichte, in der der Luxus, unpolitisch durchs Leben zu gehen, nie existiert hat. Für ihre publizistischen Arbeiten, unter anderem für Dinosaurierkind, wurde Maryam Aras 2025 mit dem Kurt-Tucholsky-Preis ausgezeichnet. 
  • 19:30 Uhr Judith Kuckart: “Die Welt zwischen den Nachrichten” (DuMont Köln 2024) – Moderation: Heike Thiel
  • Mit einer sprachlichen Dichte, die berührt, erzählt Judith Kuckart entlang ihrer Biografie und beleuchtet damit eine ganze, ihre, Generation: »Am 17. Juni, Tag der Deutschen Einheit, wurde ich geboren und wuchs in einem rosa Haus neben einer Waschmaschinenfabrik auf. Ich blieb das einzige Kind. Am 2. Juni 1967 saß ich im Trikot des Kinderballetts vor der Tagesschau. Benno Ohnesorg war erschossen worden. Ich schlug meinem Vater aufs Knie: Papi, wenn ich groß bin, erschieß ich dich auch. 1977, als Baader, Ensslin und Raspe in Stammheim gerade noch lebten, schenkte mir meine Großmutter, Fließbandarbeiterin in einer Fabrik für Babybadewannen aus Plastik, zum Abitur 1.000 DM: Mach was draus, sagte sie und stellte ein Glas mit Kunsthonig auf das Sparbuch. 1989 stand ich zum letzten Mal als Tänzerin auf der Bühne. Eine wichtige und schüchterne Verlegerin saß im Publikum und meinte: Sie könnten auch mal einen Roman schreiben, Judith. Am 17. Juni 2023 weiß ich noch keinen Titel für meinen neuen Roman. Aber ich weiß, ab jetzt habe ich noch zwanzig grandiose Sommer vor mir – oder?«

Sonntag, 12.4.2026

  • 9:30 Uhr Autorinnengespräch von Heike Thiel mit Judith Kuckart
  • 11:00 Uhr Auswertungsrunde und Abschied

Ort und Kosten?